Eine Wechselbeziehung
„Was C. J. Schmidt nützt, das nützt auch der Stadt. Und umgekehrt.“
Kein Zweifel: Familie Cohrs hat sich ihrer Stadt stets verpflichtet gefühlt, und stets hat sie engen Kontakt zu Verwaltung und Selbstverwaltung gehalten. Dass es dabei auch einmal zu Meinungsverschiedenheiten kam, änderte nichts an der Grundidee.
Ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang war die Entwicklung der Innenstadt und die damit einhergehenden Parkplatzprobleme.
Wie jede historisch gewachsene Stadt verfügte auch Husum über ein sehr begrenztes Kontingent von Parkmöglichkeiten. Ein Zustand, unter dem im Übrigen nicht nur C. J. Schmidt litt, und eine Erkenntnis, die im Jahre 1965 auf Initiative von Peter Cohrs zur Gründung der Parkgemeinschaft führen sollte, an der sich nicht weniger als 30 Firmen der Husumer Innenstadt beteiligten.
Nach dem Brand des Firmengebäudes von C. G. Christiansen in der Großstraße erwarb die Gemeinschaft das entsprechende Grundstück.
Durch den Abbruch des Vorderhauses wurde Platz für 180 Fahrzeuge geschaffen. Ein Projekt, das bei Politik und Verwaltung auf dankbare Anerkennung stieß.
Doch die Stadt entwickelte sich weiter, und schon bald reichte auch dieser Platz nicht mehr aus.
So entstand im Jahre 1980 das Parkhaus Innenstadt mit Ein- und Ausfahrtmöglichkeit von und zur Großstraße sowie zur Schloßstraße.
Auch hier ging die Initialzündung von C. J. Schmidt aus. Dank einer Ziegelverblendung wurde das Bauwerk harmonisch ins Stadtbild eingefügt. Außerdem entstanden 500 neue Stellplätze, die ebenfalls hervorragend angenommen wurden.
Die Idee der Gesellschafter, ihren Kunden durch Rückvergütung ein kostenloses Parkangebot zu unterbreiten, ist nah wie vor von großer Bedeutung für Husum.
HuLiWo macht alle Leute froh
Aber nicht nur über die Parkgemeinschaft hat sich C. J. Schmidt um das Wohl der Stadt Husum verdient gemacht. Auch sonst gibt sich der Betrieb alle Mühe, für seine Heimatstadt die Trommel zu rühren.
In den 50er Jahren zum Beispiel steht die Husumer Lichtwoche („HuLiWo macht alle Leute froh“) für einen ersten Versuch, die Weihnachtszeit in Husum etwas attraktiver zu gestalten. Damals wird unter anderem eine Verlosung eingeführt.
In den 60er Jahren werden diese Aktivitäten ausgebaut, oftmals auf Initiative des Hauses C. J. Schmidt, aber immer häufiger auch in Verbindung mit der Werbegemeinschaft. So verwandelt sich der Marktplatz 1965 für mehrere Tage in eine riesige Sandkiste. Eine Idee, die es Kindern ermöglicht, auf ungeahnte Weise mitten im Herzen ihrer Stadt herumzutollen.
Angeregt durch diesen Erfolg werden Anfang der 70er Jahre „Husumer Wochen“ veranstaltet. „Tag der Bundeswehr“, „Tag der Landwirtschaft“ und „Tag des Kindes“ lösen einander ab und zeigen den Husumern auf, welche Möglichkeiten in solchen Gemeinschaftsaktionen stecken.
1979 unternahmen Karin und Peter Cohrs dann eine Urlaubsreise in die Bretagne. Vor allem von den Häfen dort sind die Eheleute hellauf begeistert. Und natürlich kommen sie bei einem guten Glas Wein ins Grübeln über ihre Heimatstadt und den Hafen, der fast bis in deren Herz hineinreicht. Die Idee zu den Hafentagen ist geboren. Nur drei Jahre später feiert Husum sein erstes maritimes Stadtfest „die Hafentage“.
Und immer wieder das Thema Verkehr
Engagiert zeigt sich die Firma aber auch beim Thema Verkehrsinfrastruktur. Jahrelang ist Peter Cohrs Mitglied des Verkehrsausschusses der Wirtschaft. Als in den 70er Jahren dann die autofreie City propagiert wird, warnt er gemeinsam mit anderen Geschäftsleuten vor möglichen negativen Folgen für die Innenstadtentwicklung.
Bevor Großstraße und Markt verkehrsberuhigt werden können, müssen erst die Parkprobleme gelöst und die Umgehungsstraße fertig gestellt werden, erklären Cohrs und seine Mitstreiter. Und auch dann seien noch die Auswirkungen der Umgehungsstraße abzuwarten. Eine Position, die bei den Befürwortern der autofreien Innenstadt heftigen Widerstand heraufbeschwört. Die Atmosphäre ist aufgeheizt. Die Kaufmannschaft verfasst Flugblätter, schaltet Anzeigen und lässt schließlich 100 000 Einkaufstüten gegen die Stilllegung der Innenstadt drucken, die am Donnerstagmorgen auf dem Marktplatz verteilt werden. „Die Stimmung kippt. Danach wird auf konstruktiverer Basis weiterverhandelt“, blickt Cohrs auf diese bewegten Tage zurück.
In den 80er Jahren rücken dann die Planungen für ein Einkaufszentrum auf der grünen Wiese ins Zentrum der kommunalpolitischen Diskussion.
Das Commerzium lehnt ein überdimensioniertes SB-Warenhaus ab. Husum sei durch eine schöne harmonische Innenstadt mit den gepflegten Einzelhandelsgeschäften geprägt, argumentieren die Kaufleute.
Es kommt zu einer Kompromisslösung. Im Gewerbegebiet wird ein leistungsfähiges Einkaufszentrum errichtet, doch die Innenstadt mit ihrem qualitätsvollen Angebot bewahrt seine Zugkraft als Magnet für die Kundenströme von außerhalb. Nach anfänglichen Schwierigkeiten wird die Zusammenarbeit zwischen der Kaufmannschaft im Zentrum und der im Gewerbegebiet immer gedeihlicher. Ein Punkt, von dem auch die Stadt Husum profitiert.
Rechtzeitig zum 125-jährigen Firmenjubiläum wird schließlich auf der Hafensüdseite ein zweites Parkhaus im Rahmen der Parkgemeinschaft mit weiteren 500 Stellplätzen errichtet.
Hintergrund ist die Eröffnung der neuen Hafenbrücke, in deren Gefolge sich die Verkehrsströme abermals verlagern. Wie wichtig diese Maßnahme ist, wird schon bald bewiesen.
Dass sich C. J. Schmidt auch hieran federführend beteiligt hat, versteht sich fast schon von selbst. Die Chronik zum 100-jährigen Bestehen der Firma im Jahre 1976 endet mit den Worten: „Es ist das Bestreben der Firma, die Kunden optimal zu bedienen und ihnen die günstigsten Einkaufsmöglichkeiten zu geben.”
Solche Überlegungen wird das Haus auch über die Jahrtausendwende hinaus zum Gegenstand seiner Zukunftsplanungen machen. Dass es bei alledem eine treibende Kraft für die Gesamtentwicklung der Husumer Wirtschaft bleiben wird, daran kann es nach dem bisherigen Verlauf der Firmengeschichte wohl keinen Zweifel geben.
Als im Hause C. J. Schmidt 1964 eine erneute Vergrößerung der Verkaufsfläche erforderlich wird, hat sich die Welt verändert. Zwischen den beiden deutschen Staaten steht eine Mauer, Adenauer übergibt die Staatsgeschäfte vorzeitig an Ludwig Erhard, und die deutsche Wirtschaft zeigt Überhitzungserscheinungen. Bis 1964 arbeiten in Deutschland nicht weniger als eine Million Gastarbeiter. Das Wachstum geht zurück und politisch zeichnen sich bereits die Umrisse der Außerparlamentarischen Opposition (APO) ab.
zurück zur Übersicht