Die 80er Jahre stehen ganz im Zeichen der „Wende“. Aus der Anti-Atomkraft und Friedensbewegung geht die Partei der Grünen hervor. Und nach einer Koalitionskrise im September 1982 wendet sich die Mehrheit der Liberalen von den Sozialdemokraten ab, um mit der CDU eine neue Koalition zu bilden.
Die Ära Kohl beginnt. In der Nacht vom 9. November 1989 zum 10. November 1989 fällt dann in Berlin die Mauer. Die schwierigste, aber auch wichtigste Wende des Jahrzehnts ist eingeleitet. Sie bedeutet zugleich das Ende eines Ost-West-Konfliktes.
Zu den wichtigsten Ereignissen in Husum zählen die Planungen und ersten Bauarbeiten an der Westtangente, die 1985 beginnen und – bis auf die Klappbrücke – noch im selben Jahr beendet werden, ferner die Sanierung der Innenstadt (1986), sowie der Bau des neuen Rathauses am Binnenhafen und die Osttangente 1988.
Der dritte Peter Cohrs tritt in das Unternehmen ein
In diesem Jahr tritt auch der dritte Peter Cohrs Jahrgang 1961 in die Firma ein.
Nach einer gründlichen Ausbildung in verschiedenen namhaften Geschäften setzen seine Eltern Karin und Peter, aber auch der Junior selbst große Erwartungen in dieses neue Kapitel der Firmengeschichte. Die Voraussetzungen sind denkbar gut.
So erinnert sich der Senior an einen Brief, den ihm der Filius noch während der Ausbildung zuschickte und in dem er ihn aufforderte, „mir fortan kein Geld mehr zu schicken. Ich kann mich selbst ernähren”, ließ Peter Cohrs seinen Vater wissen.
Als er mit 27 Jahren in die Firma eintritt, wird der Junior sogleich mit vielfältigen Aufgaben und entsprechenden Kompetenzen ausgestattet.
Darüber hinaus engagiert er sich von Beginn an in der Husumer Wirtschaft, die traditionell von der Firma C. J. Schmidt gepflegt, gefördert und beeinflusst wird. So unter anderem auch in der Werbegemeinschaft Husum, die er seit 2001 als Vorsitzender sowie seit 2005 als Sprecher des Wirtschaftskreises – dem Zusammenschluss der 4 Husumer Wirtschaftsvereine führt.
Der Palmgarten
Sorge bereitet Familie Cohrs, wie bereits angedeutet, die Einzelhandelsstruktur in der Innenstadt. Zwei bedeutende Firmen für Haushaltswaren, Glas und Porzellan hatten mittlerweile geschlossen oder waren aus der Stadt ins Industriegebiet gezogen. Um solche Waren zu kaufen – noch dazu, wenn sie gehobenen Ansprüchen genügen sollen, mussten die Kunden fortan in die Nachbarstädte ausweichen.
Die Familie setzt sich zusammen und überlegt, ob sie einmal mehr den Mut hat, etwas Großes auf die Beine zu stellen? Sie hat. Das Grundstück der ehemaligen Firma C. Mader wird gekauft, um an dieser Stelle ein Einrichtungshaus zu bauen, das im gesamten norddeutschen Raum von sich reden machen soll.
Als Lifestyle- und Erlebnishaus für „Wohnen und Schenken“ mit gepflegten Abteilungen für Glas, Porzellan, Aussteuer, Gardinen, Teppiche, Haushaltswaren und Geschenkartikel ist der „Palmgarten“ geradezu zum Synonym für jene Dinge geworden, die das Leben schön und angenehm machen.
Auch architektonisch wird mit dem großen Lichthof und einer illustren Fotomontage des „Palmengartens“ von Schloss Laeken bei Brüssel eine glänzende Lösung gefunden.
Dieses Schloss gab dem neuen Haus übrigens seinen Namen.
Doch auch schon vor dem Bau des „Palmgartens“ hatten die 80er Jahre für C. J. Schmidt einiges zu bieten.
So erhielt die Firma 1980 den Forumspreis der Deutschen Textilwirtschaft. In der Laudatio wurde dem Ehepaar Cohrs bescheinigt: „Sie haben in Ihrer Firma C. J. Schmidt in Husum etwas Beispielhaftes geschaffen.
Das größte Haus am Platz in einer Kleinstadt verbindet die Einbettung in Landschaft und Heimatbewusstsein mit einer Angebotsfülle und dem Angebotsniveau einer Großstadt.”
Bei derselben Veranstaltung wurde übrigens auch der italienische Modemacher Nino Cerutti ausgezeichnet. Cerutti galt in jenen Jahren als Avantgardist der Herrenmode schlechthin.
Für Familie Cohrs war die Ehrung freilich nur Ansporn, das Husumer Geschäft auch weiterhin mit persönlicher Note zu pflegen und auszubauen.
1989 brachte der Junior dann eine Frau in die Familie, die auch in die Firma passte. Sie stammte aus der „Branche” und hatte ihre Fähigkeiten bei großen Firmen im Bereich der Jungen Mode unter Beweis gestellt.
So übernahm sie 1989 bei C. J. Schmidt die Abteilung „Casablanca” und baute diese weiter aus.
In den Folgejahren wurden in Heide und Schleswig Filialen für Junge Mode unter dem Namen „Casablanca” errichtet, die ihrerseits dazu beitrugen, den guten Ruf des Husumer Haupthauses zu unterstreichen.
Das Schifffahrtsmuseum
Im Jahre 1986 demonstriert Familie Cohrs ein weiteres Mal, was sie unter dem Begriff „Gemeinschaftssinn“ versteht. 50 Jahre, nachdem sein Vater die Firma C. J. Schmidt 1936 gekauft hat, will sein Sohn der Stadt aus diesem Anlass ein Geschenk machen. Seine Idee, an der Hafenkaimauer einen großen Anker aufzustellen – Symbol für die glückliche Heimkehr der Schiffer und Fischer – findet allerdings nicht die erhoffte Resonanz der Stadt.
Schließlich spendet Familie Cohrs stattdessen 50.000 Mark für die Einrichtung eines Schifffahrtsmuseums. Kapitän Jakobs vom Nautischen Verein und der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung des Stadtbildes, Dr. von Hielmcrone, nehmen das Geld entgegen.
Doch so recht will das Projekt nicht vorankommen.
Bis Peter Cohrs selbst die Sache in die Hand nimmt und das Gebäude der Landeszentralbank am Binnenhafen kauft. Mithilfe der Karin- und Peter-Cohrs-Stiftung, sowie einiger anderer Sponsoren und Förderer wird dort schließlich das Schifffahrtsmuseum eingerichtet. Das Haus genießt in ganz Norddeutschland einen ausgezeichneten Ruf und zählt zu den größten und meistbesuchten Museen im Lande.
Mit seiner Stiftung hat das Ehepaar Cohrs dafür gesorgt, dass es auch ohne staatliche Zuschüsse einer gesicherten Zukunft entgegensehen kann.
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