Mit Peter Cohrs (1891-1976) übernahm im August 1936 wieder ein echter Kaufmann die Firma. Der neue Chef war für die Husumer durchaus kein Unbekannter. So hatte er sich bereits als Kompagnon der jungen Firma Kähler & Cohrs den Ruf eines tüchtigen Kaufmanns erworben.
In Buxtehude geboren, hatte er früh seine Eltern verloren und mit 14 Jahren bei Verwandten in Selent eine fünfjährige Kaufmannslehre angetreten, in der ihm nichts geschenkt wurde. Danach musste er sein Leben selbst meistern und ging zunächst als Commis nach Bredstedt. Danach arbeitete er für C. J. Schmidt, wo man ihn auch gern behalten hätte.
Doch der Drang, sich selbstständig zu machen, war stärker. Und so tat er sich im April 1919 mit einem Kompagnon zusammen, um in der Krämerstraße ein eigenes Geschäft zu eröffnen. Mit Fleiß und guten Ideen konnten sich Kähler & Cohrs auch in den Wirren nach dem Ersten Weltkrieg behaupten und übernahmen bereits drei Jahre später das Ladenlokal von Georg Hermann, heute Kloppenburg. Hier sollte das junge Unternehmen sich prächtig entwickeln.
Doch Peter Cohrs wollte sein „eigener Herr“ sein, und so trennte er sich 1936 von seinem Kompagnon und kaufte die Firma und das Haus C. J. Schmidt.
Da die Liquidität des Unternehmens angespannt und der Umsatz in den zurückliegenden Jahren stark zurückgegangen war, musste Cohrs nicht nur schwer arbeiten, sondern all sein kaufmännisches Können aufbieten, um das Vertrauen von Fabrikanten und Kunden wiederherzustellen.
Und mehr als einmal hat er betont, dass es schwerer sei, „eine heruntergewirtschaftete Firma wieder aufzubauen, als eine neue zu gründen“.
Die besondere Gabe des neuen Chefs lag zweifellos in seinem Gespür für die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden. Seine größte Liebe galt dabei dem Einkauf für die Damen- und Herrenkonfektion des Hauses.
Verständlich, dass in den Jahren nach der Übernahme von C. J. Schmidt ein harter Konkurrenzkampf und eine scharfe Rivalität zwischen den früheren Kompagnons Kähler und Cohrs entbrannte.
Doch auch das konnte den neuen Chef nicht von seinem Kurs abbringen.
Am weltpolitischen Horizont zeichnet sich derweil bereits die größte politische und menschliche Katastrophe des 20. Jahrhunderts ab. Die Nationalsozialisten erobern die Macht und drücken die gesamte politische Opposition an die Wand.
Die jüdische Bevölkerung erfährt eine beispiellose Entrechtung, und zeitgleich werden bereits Kriegsvorbereitungen getroffen.
Auch in Husum weht ein anderer Wind. Der Ort wird Garnisonsstadt, erhält einen eigenen Flugplatz.
Die Annexion Österreichs und der Tschechoslowakei, aber vor allem der Einmarsch in Polen bringen das Fass schließlich zum Überlaufen.
Preisstopp und Zwangsbewirtschaftung
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges sollte auch die gute Entwicklung der Firma C. J. Schmidt unterbrechen. Preisstopp, Zwangsbewirtschaftung und der Einkauf auf Kleiderkarten werden eingeführt und streng überwacht.
1943 wird die Firma mit G. M. Gramm, den Gebrüdern Thießen und W. Abraham zu einer Kriegsarbeitsgemeinschaft zusammengelegt. Die Schwierigkeiten, den Betrieb weiter- zuführen, wachsen. Hinzu kommt, dass Familie Cohrs im Krieg zwei Söhne verliert, die sich bereits dem kaufmännischen Beruf verschrieben hatten.
Bis 1948 blüht der Schwarzhandel. Es gibt nahezu alles zu kaufen, nur nicht für Reichsmark. Die Zigarette erlebt ihren Aufstieg zur Handelswährung.
Erst die Währungsreform und die Einführung der D-Mark bringt die ersehnte Wende.
Am 20. Juni 1948 erhält jeder Bundesbürger für 40 Reichsmark 40 D-Mark. Für die Unternehmer bedeutet dies, dass nur eine Woche später auch die Gehälter in der neuen Währung ausgezahlt werden müssen. Und so fahren die Kaufleute bereits am Tag darauf nach Hamburg, um Ware einzukaufen, die sogleich an die Kunden weitergegeben wird. Mit Einführung der D-Mark wird auch die Zwangsbewirtschaftung gelockert. Dadurch kann sich der Handel zügig entwickeln. Soziale Marktwirtschaft und Unternehmergeist sorgen in den Folgejahren für ein stetiges Aufblühen der Konjunktur. Die Londoner „Times“ ist es schließlich, die dem Ganzen einen Namen gibt: Das „deutsche Wirtschaftswunder“ hat begonnen.
Nur stundenweise geöffnet
Zuvor jedoch hatte die neue Husumer Verwaltung vor scheinbar unlösbaren Problemen gestanden. Binnen weniger Monate war die Bevölkerung der Stadt durch den Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten und dem zerbombten Hamburg von 14 000 auf über 25 000 Menschen angeschwollen. Die hohe Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelrationalisierungen, der grassierende Schwarzhandel und der massive Währungsverfall hatten für zusätzliche Belastungen gesorgt.
In den kalten Wintern der Nachkriegszeit war die Firma zeitweilig nur stundenweise geöffnet gewesen. Da es regulär keine Waren zu verkaufen gab, versuchte es die Firma mit Ersatzartikeln aller Art und richtete eine Tauschzentrale ein, die viel Betrieb, aber keinen Gewinn brachte.
Nach Einführung der D-Mark treten nun auch die schon lange schwelenden Konflikte zwischen den Siegermächten offen zutage. Im März 1948 verlassen die Sowjets den Alliierten Kontrollrat. Drei Monate später ordnet die sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) an, den Verkehr zwischen Westberlin und den Westzonen zu unterbinden: Berlin-Blockade.
Die Amerikaner reagieren mit der Einrichtung einer Luftbrücke. Der kalte Krieg hat begonnen.
Peter Cohrs (1891-1976) erhält tatkräftige Unterstützung durch seinen Sohn Peter Cohrs
1948 tritt mit Peter Cohrs (1924-2009) der damalige Junior in die Firma ein, um den Vater beim Wiederaufbau zu unterstützen. Einen Generationenkonflikt gibt es nicht. Vater und Sohn bilden vielmehr ein ideales Gespann, und ihre Zusammenarbeit soll sich für die weitere Entwicklung der Firma als segensreich erweisen.Das forsche und optimistische Engagement des Juniors wird durch die Erfahrung und den kaufmännischen Sachverstand des Seniors ergänzt. Eine neue Zeit des Aufstiegs beginnt.Um den Kunden ein besseres, übersichtlicher gegliedertes und reichhaltigeres Angebot zu machen, entschließen sich die beiden Chefs schon bald, weitere Um- und Ausbauarbeiten vorzunehmen.Allerdings wird in jener Zeit jede Mark für Ware gebraucht, und die Kreditlage ist eng. So eng, dass die Firma den Banken keine weiteren Sicherheiten anzubieten hat.Doch der Direktor der Husumer Sparkasse hat Vertrauen zum Junior und gewährt ihm einen Personalkredit. Die Umbauarbeiten können beginnen, das Vertrauen des Bankers soll nicht enttäuscht werden.
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