Jede Zeit hat ihre Besonderheiten und damit auch ihre besonderen Probleme. Das war nicht anders, als die Kaufleute Carl Jensen Schmidt und Johannes Heinrich Paulsen im Juni 1876 die Firma C. J. Schmidt übernahmen.
Das Manufakturwarengeschäft in der Neustadt Nr. 5 war ziemlich heruntergewirtschaftet, wie ein Dokument aus dem Nachlass von Carl Jensen Schmidt belegt.
Darin schreibt der in Scherrebeck, dem heutigen Skærbæk in Dänemark geborene Firmengründer, der den Kaufmannsberuf in Tondern erlernte: „Ich war in Husum nicht gerade von vorneherein auf Rosen gebettet“.
Die Gründung des Hauses „Paulsen & Schmidt“, wie das junge Unternehmen damals noch hieß, „glücklich zu nennen“, erschien ihm dann auch schmeichelhaft: „Es wäre sicher leichter gewesen, ein neues Geschäft zu gründen, als die alte Ruine neu aufzurichten.“
Unternehmergeist ist keine Frage des Zeitpunktes
Es Waren schwere Rahmenbedingungen, unter denen Paulsen und Schmidt in Husum ihr Geschäft aufnahmen. Gleichwohl zogen die beiden bereits im Februar 1877 der besseren Lage wegen in die Krämerstraße, wo sie für 22.000 Mark das Haus Nr. 3 kauften. Dabei waren die Kompagnons jedoch auf die Hilfe von Vater Schmidt angewiesen. Ende desselben Jahres verließ Paulsen die Firma. Carl Jensen Schmidt war jetzt der alleinige Inhaber und das Unternehmen erhielt jenen Namen, den es bis zum heutigen Tage trägt:
C. J. Schmidt
Allerdings sollte dieser in den nachfolgenden 124 Jahren durch den Volksmund eine kleine, aber wesentliche Veränderung erfahren.
Aus „C. J.“ wurde mit der Zeit „C. I.“, und noch heute werden Mitarbeiter des Hauses gefragt, was denn nun eigentlich stimme: „I.“ oder „J“.
„J“ wie Jensen, lautet die Antwort, doch wem das „I“ leichter über die Lippen kommt, der solle ruhig dabei bleiben, sagte der Unternehmer Peter Cohrs (Jhg. 1961), der dritte Peter Cohrs nach seinem Vater (1924-2009) und dem Großvater (1891-1976).
Zukunftsweisend wandelte C. J. Schmidt seine Firma schon bald nach Gründung 1876 in ein sogenanntes Kontantgeschäft, ein Barzahlungsgeschäft, um. Diese Maßnahme ermöglichte ihm, „billig zu verkaufen und den Kunden so viel wie möglich für ihr Geld zu geben“. Ein Prinzip, das schon bald erhofften Aufschwung bringen sollte.
Bereits 1884 konnte die junge Firma ihre Geschäftsräume erweitern. Sie erwarb von dem Kaufmann Korff-Petersen das Nebenhaus mit der Nr. 181, das bis 1857 dem Kaufmann Ingwer Woldsen gehört hatte – jenem „Weihnachtsonkel“, dem Theodor Storm in seiner Novelle „Unter dem Tannenbaum“ ein Denkmal gesetzt hat.
Alte Bilder und Fotografien der Krämerstraße erinnern indes eher an die heutige Wasserreihe. Der Straßenzug wirkt extrem eng – wohl auch deshalb, weil sich vor nahezu jedem Haus Beischläge und breite Sandsteinstufen befanden. Sie sollten die Gebäude vor Überschwemmungen schützen. Immerhin lag der Hafen nur einen Steinwurf entfernt. Und die große Schleuse gab es noch nicht. Wenn der Blanke Hans also erst einmal in der Stadt war, hatte man ihn schnell auch im Haus. Zu dieser Zeit waren Krämer- und Großstraße noch getrennte Straßenzüge mit eigenen Hinterhöfen.
Ein Speicher als Sinnbild der Moderne
1913 wird der längst fällige Neubau eines Speichers hinter der Twiete in Angriff genommen. Wie unzulänglich die Speicherräume waren, hatte sich bereits 1881 abgezeichnet, als bei einem Brand im „Hinterhaus“ ein Feuerwehrmann ums Leben kam.
Ein Jahr zuvor hatte C. J. Schmidt die entlang der Twiete – zwischen Krämer- und Großstraße – gelegenen Stallungen des Kaufmanns Korff-Petersen gekauft. Sie mussten jetzt einem modernen Speicher weichen – viergeschossig, aus Eisenbeton und mit modernsten elektrischen Lastenaufzügen ausgerüstet. Von nun an wurden Waren über die Twiete angeliefert. Darüber hinaus erwirkte die Firma eine Sondergenehmigung für den Bau einer Lorenbahn in die Twiete. Auf ihr wurde vor allem die Wolle der Schafzüchter ins Haus transportiert.
C. J. Schmidt war damals Annahmestelle für die Reichswollverwertung.
Welch gewaltiger Schritt nach vorn dies war, zeigen die in gestochener Handschrift geführten Inventurlisten der Firma. Da wird der Umsatz anno 1904 mit 638.000 Mark und im letzten Friedensjahr 1914 mit 816.000 Mark angegeben.
Angesichts solcher Zahlen fragt man sich natürlich: Was war dieser Carl Jensen Schmidt eigentlich für ein Mann? Überlieferungen zufolge muss er ein strenger, aber gerechter Chef gewesen sein. So soll ihn einmal ein Lehrling gefragt haben, ob er wohl einen freien Tag haben könne: Seine Großmutter feiere ihren 80. Geburtstag. Der junge Mann bekam ohne weiteres die Erlaubnis. Weil es so gut gelaufen war, bat der Lehrling den Chef im darauf folgenden Jahr erneut um einen freien Tag. Begründung: Seine Großmutter werde 80. C. J. Schmidt runzelte die Stirn und sagte: „Merken Sie sich: Beim nächsten 80. Geburtstag fliegen Sie!“
Ein anschauliches Bild, wie es in der Firma vor dem Ersten Weltkrieg aussah, hat der ehemalige Commis (junger Verkäufer, Anm. d. A.) des Hauses, Martin Schwermer hinter- lassen:
„In der Firma wurden damals (1913) 32 Herren, 3 Hausdiener, 2 Lageristen und 3 Reinmachefrauen beschäftigt. Im Kontor herrschte der Prokurist Hellberg, im Laden der Geschäftsführer Henning Cordsen. Alle Herren trugen stets dunkle Anzüge. Es gab nur Herren-Bedienung, selbst Damenwäsche und Damenhüte wurden von Herren verkauft.
Die Damenhüte wurden in einem Putz-Atelier im II. Stock selbst angefertigt und dann im Bedarfsfall im Büro (von Herren) vor dem großen Spiegel verkauft. Die größte Abteilung war die Abteilung für Kleiderstoffe, die einen ausgezeichneten Ruf besaß.
Inletts und Hemdenstoffe wurden nur en gros gekauft.
Der beste Hemdenstoff aus Elsaß kostete damals RM 0,22 pro Meter. Die Anzugstoffe wurden bei der Firma Bernhard in London gekauft und in Stettin konfektioniert, die besseren Anzüge kamen von Isidor Bach in München.
Die Arbeitszeit betrug täglich 10 Stunden, sonnabends wurde bis 21.00 Uhr bedient.
Am Sonntagmorgen war der Laden von 8.00 bis 9.00 Uhr und von 11.00 bis 13.00 Uhr geöffnet. Die Gehälter wurden genau nach Leistung bemessen und am Monatsletzten in Goldstücken ausbezahlt. Dänische Sprachkenntnisse waren sehr gefragt, da viel dänisches Publikum kam. Der alte C. J. Schmidt war sehr streng, aber gerecht. Unpünktlichkeit wurde scharf bestraft. Er selbst war stets im Laden, sprach jeden Kunden mit Namen an und wusste immer etwas Interessantes zu erzählen.
Wie man sieht, haben sich seitdem viele Dinge verändert, doch was schon damals zu den Stärken des Hauses C. J. Schmidt zählte, hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten – nicht zuletzt der enge Kontakt zur Kundschaft.
zurück zur Übersicht